Serie über die Vilsecker Rathäuser - Das erste Vilsecker Rathaus von 1380 - 1522

Geschrieben von rha am . Veröffentlicht in Nachrichten zu Hahnbach.

Unter dem Titel „Der Vogelturm“ erschien 1963 die Schulzeitung der Knabenschule Vilseck, in der das Thema „Unser Rathaus“ unter die Lupe genommen wurde. Diese Titelseite, sowie auch alle anderen Zeichnungen in der Schulzeitung, stammen von Peter Mallmann, 8. Schülerjahrgang

In den 1960er Jahren verfassten die Vilsecker Volksschüler viermal jährlich eine sogenannte Schulzeitung über ein bestimmtes Thema. Das Auftauchen der Ausgabe Nr. 8 vom April 1963 inspirierte Rosi Hasenstab zu einer neuen Serie.

In dieser Schulzeitung „Der Vogelturm“ beschäftigte sich die Knabenschule mit den Vilsecker Rathäusern

Wolfgang Schedl, 7. Schülerjahrgang, verfasste damals den Bericht über das erste Vilsecker Rathaus, das von 1380 bis 1522 genutzt wurde. Sein Text ist hier wiedergegeben.

1380 waren nach 38jähriger Bauzeit die Befestigungsanlagen unserer Stadt (Mauern, Türme, Stadtgraben und Zugbrücken) fertig. Noch im gleichen Jahr bauten die Vilsecker unten in die Mitte des großen Marktplatzes, wo später das Amtsgerichtsgebäude seinen Platz fand, ein zweigeschossiges Rathaus.

Es hatte vorne und hinten ein großes Tor mit einer breiten Durchfahrt. Links lag die Stadtknechtswohnung; rechts waren die Fleischbänke und der Brotladen untergebracht.

Eine Treppe führte in den ersten Stock hinauf. Hier waren das kleine Ratszimmer und der große Ratssaal, der nicht nur für Bürgerversammlungen und Beratungen der Stadtväter diente, sondern auch für öffentliche Feste und Feiern, für Trinkgelage, Tanzveranstaltungen und Hochzeitsfeste gegen Entgelt zur Verfügung gestellt wurde.

Der große Vorplatz im ersten Stock, der sogenannte Flez, diente an Jahrmärkten, die acht Tage dauerten, meistens den Tuchmachern, aber auch anderen Handwerkern als Auslage- und Verkaufshalle. Die Tuchner mussten 28 Pfennig, die Kürschner 10 Pfennig und die anderen Krämer 5 Pfennig Standgeld zahlen.

Am Freitag nach Laurentius (10. August) des Jahres 1522 brach außerhalb der Stadtmauer auf der Schlattermühle, der späteren Finkenmühle, ein Brand aus, der stark vom Wind begünstigt wurde. Die Flammen sprangen auf den gegenüberliegenden Stadtmauerturm über, ergriffen das Dach der Stadtmauer und den hölzernen Wehrgang, zündeten alle mit Stroh und Schindeln gedeckten Häuser auf der rechten Seite der Breiten Gasse an und sprangen auch auf das Rathaus über, das in kurzer Zeit vollständig niederbrannte.

Damit war das erste Vilsecker Rathaus ein Opfer der Flammen geworden. Im nächsten Bericht erfahren wir, wie es nach dem Brand mit dem Rathaus weiterging.