Vilseck: Das Kriegerdenkmal auf dem Kirchplatz
Das Kriegerdenkmal auf dem Kirchplatz trägt die Namen von 264 Gefallenen und Vermissten aus drei Kriegen

(Heinrich Deinzer) Wer in Vilseck den Weg vom Marktplatz hinauf zur Kirche geht, erkennt nach dem Treppenaufgang zur Linken das Kriegerdenkmal der Stadt. Es befindet sich auf dem Kirchplatz, einem ehemaligen Friedhof. Früher kletterten Kinder darauf herum, wenn sie auf den Unterrichtsbeginn im nahen Schulhaus warteten. Auch so manches Klassenfoto wurde mit dem Kriegerdenkmal im Hintergrund aufgenommen. Am Volkstrauertag dient es als Kulisse für die Gedenkfeiern, wenn an die Opfer der Kriege erinnert wird.
Einem glücklichen Umstand verdanken wir, dass wir über die Entstehung des Denkmals gut Bescheid wissen. Der Schriftführer des 1885 gegründeten Veteranen- und Kriegervereins, der Schreinermeister Thomas Kederer, hat alles akribisch aufgeschrieben. Er führte in der damaligen Mühlstraße, heute Bahnhofstraße, seinen Schreinerbetrieb. Gerlinde Apfelbacher hat diese Aufzeichnungen ihres Urgroßvaters entdeckt und dem Verfasser dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.
Am 21. Mai 1923, einem Pfingstmontag, wurde das Denkmal feierlich enthüllt. Bis es aber so weit war, musste ein langer Weg zurückgelegt werden, der im folgenden anhand dieser Aufzeichnungen von Thomas Kederer beschrieben wird.
Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 entstanden in Deutschland viele Veteranen- und Kriegervereine. Im Andenken an die gefallenen Soldaten sollten überall Denkmäler gesetzt werden. So war es auch in Vilseck. Wiederholt wurden Vorschläge gemacht, doch es geschah nichts. So blieb es bis 1909, als bei einer Generalversammlung des Vereins das Thema erneut zur Sprache kam. Der damalige Vorstand war strikt dagegen. Er fürchtete wohl die zu erwartende Arbeit.
Erst 1913 wurde ein erneuter Vorschlag allgemein angenommen. Ein Bauausschuss wurde nun gewählt und ein Anschaffungspreis von 2.500 – 3.000 Mark angesetzt. Das Geld sollte in Haussammlungen, beim Theaterspielen und sogar bei einem Konzert aufgetrieben werden. Auch die auswärts lebenden Vilsecker sollten zu Spenden aufgefordert werden. Doch der Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914 unterbrach abrupt all diese Bemühungen.
Erst drei Jahre nach Kriegsende lebte im Jahr 1921 der Gedanke an ein Kriegerdenkmal wieder auf; diesmal natürlich auch für die Gefallenen des Weltkriegs. Wieder wurde Theater gespielt und Geld gesammelt, doch die fortschreitende Teuerung machte den Wunsch nach einem Denkmal fast zunichte. Aber der neue Vorstand, Schneidermeister Heinrich Maier, war von dem Gedanken nicht abzubringen.
Und wiederum wurde ein Denkmalausschuss gebildet.
Man band nun die Pfarrei in die Überlegungen mit ein, und die Gläubigen, sowie die Vereinskameraden waren begeistert. Doch man fürchtete hohe Kosten aufgrund der beginnenden Inflation. Als Alternativlösungen wurden Tafeln vorgeschlagen, die am Eingang zur Kirche angebracht werden sollten. Dort wäre Platz gewesen und Schutz vor Witterung. Der Pfarrer ließ sogar schon eine Skizze anfertigen.
Bei der Generalversammlung 1922 stimmten 58 Anwesende für das Denkmal und 8 für die Tafeln in der Kirche. Nun aber stellte sich die Frage, wo das Denkmal aufgestellt werden sollte. Das musste natürlich ein prominenter Platz sein, und darüber gingen die Meinungen stark auseinander. Die Breite Gasse wurde vorgeschlagen, das Dreieck am Bahnhof, der Meixnergarten vor dem Vogelturm und der Marktplatz selber.
Das Landbauamt Amberg wurde eingeschaltet und Skizzen wurden angefertigt. Den Marktplatz schloss man aus, „da keine Umgebung vorhanden war, an die sich das Denkmal hätte anschmiegen können“, hieß es. Schließlich kam auch der Kirchplatz ins Gespräch, wofür dann mehrheitlich gestimmt wurde. Sofort wurde ein Antrag an den Kirchenrat gestellt, der keine Einwände erhob und den Platz zur Verfügung stellte. Gleichzeitig beschloss man, die dort sich befindende Pieta in die Froschau zu versetzen.
Jetzt war die Frage zu klären, aus welchem Material das Denkmal gefertigt werden sollte. Da es heimisches Material sein sollte, schlug man Sandstein aus den Brüchen bei Schönlind vor, der jedoch gegen Witterungseinflüsse nicht resistent genug erschien.
Da man für Jahrhunderte plante, fiel die Entscheidung auf Treuchtlinger Muschelkalk.
Aufgrund von Kostenvoranschlägen erhielt die Vilsecker Firma Xaver Kopf den Auftrag zur Anfertigung.
Doch das Hauptproblem blieb, das Geld. Wiederum setzte man auf Haussammlungen in der ganzen Pfarrei und erzielte ein ermutigendes Ergebnis. „Die Kiste wurde geschmissen“, wie Anton Eschenwecker, der sich sehr engagiert für die Sache einsetzte, in einer Versammlung befriedigt feststellte.
Im Januar 1923 veranstaltete die Musikkapelle Gnan zusammen mit dem Liederkranz noch ein Wohltätigkeitskonzert. 33.000 Mark kamen dabei für die Denkmalkasse zusammen. Den Restbetrag von 42.000 Mark spendeten die Vereinsmitglieder.
Trotz der galoppierenden Geldentwertung vereinbarte man einen Festpreis. Nachzahlungen wurden ausgeschlossen.
Die Firma Xaver Kopf erhielt 500.880 Mark. Gestaltet wurde das Denkmal mit der Patrona Bavaria von Baurat Sand. Es war geschafft! Was lange währte, wurde endlich gut. Am 21. Mai 1923 konnte das Denkmal zur Erinnerung an die toten Kriegshelden feierlich eingeweiht werden.
Das Kriegerdenkmal in den 1920er Jahren

Stolz beendet Thomas Kederer seine Aufzeichnungen mit den Worten: „Das Werk lobt den Meister!“ Und eine Bitte fügt er noch an: „Bayerns Schutzfrau, benedeite, schirm das Land, das Dir geweihte!“
Das Denkmal, das ursprünglich für die Gefallenen des Krieges 1870/71 geplant war, trägt heute die Namen von 264 Gefallenen und Vermissten aus drei Kriegen. Wollen wir hoffen und beten, dass keine weiteren dazukommen.
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